07.05.2026

8CD bei »Lost in Nahost«

Ende April: Leicht verschlafen und fast pünktlich trafen wir uns vor dem Jüdischen Museum. Mit dem kurzen obligatorischen »Sind eh alle da?« und der Anwesendenliste teilten wir uns in zwei Gruppen für unseren Workshopnachmittag »Lost in Nahost« ein – und schon ging’s los.

Ein Beitrag von Filipa Heisenberg

In unseren Gruppen erwarteten uns Vorträge, Erzählungen, aber auch interaktive Aufgaben. Die Museumsmitarbeiterinnen erzählten uns nicht nur etwas über die jüdische Geschichte und Religion, sondern stellten immer wieder Fragen an uns: nach unseren eigenen Erfahrungen, unseren Assoziationen und danach, was wir mit »jüdisch« verbinden.

Ein anderer Programmpunkt bestand darin, mit einer Karte zu arbeiten und zu überlegen, was eigentlich »dort« und was »hier« ist. Das war ganz spannend, weil es weniger um richtige Antworten ging, sondern mehr darum, sich selbst Gedanken zu machen. Ein weiterer Programmpunkt war das »Objektesuchen« im Museum. Dafür bekamen wir Bilder von verschiedenen Gegenständen aus der Ausstellung und machten uns in kleinen Gruppen auf die Suche nach den jeweiligen Objekten. Je nach Orientierungssinn und Aufmerksamkeit gestaltete sich das unterschiedlich einfach :)

Nach zahlreichen Treppen und regelmäßigen Verschnaufpausen versammelten sich schließlich alle – wenn auch etwas erschöpft – wieder in ihren Gruppen. Danach ging es mit einer gemeinsamen Besprechung und Reflexion weiter. Jetzt bekamen wir von den Mitarbeiterinnen etwas mehr über die verschiedenen Gegenstände erzählt. Gemeinsam konnten wir so, auch wenn unsere Ideen davor teilweise etwas spekulativ waren, die Bedeutung der Objekte kennenlernen. Sie vermittelten Geschichte auf eine sehr direkte und greifbare Weise. Nicht nur durch große Ereignisse, sondern – und darin liegt wohl die Kraft dieser Workshops - auch durch vermeintlich kleine Details aus dem Alltag.

»Der Workshop ist meiner Ansicht nach eher für
eine jüngere Altersgruppe geeignet. Dennoch
gab es Einblicke, die auch für mich spannend waren.«
(Emil)

In diesem Sinne wirkten manche Inhalte etwas vereinfacht und hin und wieder hatte man das Gefühl, dass noch mehr möglich gewesen wäre. Trotzdem gab es immer wieder Momente, die hängen geblieben sind. Vor allem das Museum selbst war sehr interessant gestaltet, wie auch eine andere Teilnehmerin einschätzte:

»Die vielen spezifischen Alltagsgegenstände
im Museum waren sehr interessant.«
(Kati)

Gerade bei den eher unscheinbaren Dingen gab es viel zu entdecken und zu erfahren. Die verschiedenen Alltagsgegenstände in Kombination mit den Erzählungen machten die Geschichte greifbar und nachvollziehbar.

Zugleich gab es inhaltliche Aspekte, die besonders in Erinnerung geblieben sind:

»Der Workshop war interessant und half, die
besondere Verbindung, die Juden zu Israel
empfinden, besser zu verstehen.«
(Oskar)

Die Mitarbeiterinnen fassten zwar von vornherein den geschichtlichen Rahmen des Workshops bewusst größer, nicht zuletzt eben um anhaltende Dauerkrisen in der Region sichtbar zu machen, dennoch kam Kritik vor allem auf, was die Aktualität betrifft:

»Ich fand, dass im Workshop zu wenig auf den
Nahostkonflikt eingegangen wurde und dass er
eher geschichtlich als politisch und aktuell war.«
(Kati)

Gerade das wäre für uns wahrscheinlich einer der spannendsten Punkte gewesen – etwas mehr Gegenwartsbezug und Diskussion.

»Das Museum war sehr spannend, und ich fand
das ‚Dinge-suchen‘ im Museum gut, weil wir
dabei auch Zeit hatten, ein bisschen umherzustreifen
und uns die Dinge anzuschauen, die uns
besonders interessiert haben.«
(Theo)

Die Freiheit, die wir während des Workshops hatten, war sehr angenehm und hat es uns ermöglicht, auch die restlichen Ausstellungsgegenstände anzuschauen (auch wenn manche diese Freiheit vielleicht etwas kreativer interpretiert haben als andere :) ) und uns unsere Gedanken zu machen.

Auch wenn nicht alles perfekt war – sollte es das überhaupt? –, konnten wir viel mitnehmen, lernen und zum Weiterdenken mit nach Hause nehmen. Kurz: Unser April-Nachmittag war sehr gelungen und bot viele interessante Eindrücke.